Liebe Mitglieder,

wenn ich auf mein erstes Jahr als Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft zurückblicke, so war es ohne Zweifel auch ein "aktions"reicher Einstieg. Es begann ja bereits mit unserer

1. Kunstaktion: Das Motto lautete "Köpfe". Kaum waren am 18.07. alle Bilder montiert (wir haben übrigens wieder einmal im Regen aufgebaut), waren wir 2 Wochen später teilweise wieder kopflos durch Diebstahl und Vandalismus. Selbst die ausgesetzten € 500,00 für die gestohlenen Bilder brachten keinen Erfolg. Dennoch war unsere Kunstaktion ein Erfolg, denn gleich, wann man Richtung Post oder Rewe ging, immer waren Passanten da, die sich die Bilder betrachteten. Und da wir mit Fotos die Lücken auffüllten, war auch immer der Gesamteindruck erhalten.

2. Die nächste Schnellaktion war unser Sommerfest zum 20-Jährigen Bestehen, das wir zusammen mit dem gerade mal 1 Jahr alten Bürgertreff feierten. Kaum hatten wir im Freien aufgebaut, gab es Gewitter, Sturm und Regen und wir mussten eiligst alles nach innen verlegen. Da sich das Wetter dann wieder beruhigte, konnten unsere Gäste dann sowohl drinnen als auch draußen Essen und Trinken genießen und den Kindern in der Hüpfburg war es ohnehin nicht kalt. Die Schautafeln, die wir als Dokumentation aus 20 Jahren Tätigkeit in und für Hochzoll präsentierten, wurden in Abende langer Kleinarbeit zusammengetragen, ausgeschnitten und zusammengebastelt. Wir haben sie alle aufgehoben und werden sie sicher noch einmal verwenden.

3. Dem Lechuferfest, das für den 25.07. vom Stadtjugendring organisiert wurde, hat sich die Aktionsgemeinschaft, wie in jedem Jahr, mit einem nicht nur finanziellen Beitrag angeschlossen: Aufgetreten sind zur Freude vieler Kinder Kasperl und seine Gesellen. Und es gab auch keinen Gewittersturm.

4. Der nächste kulturelle Beitrag war am 09.10. im Rahmen der Hochzoller Kulturtage unsere Lesung von Peter Dempf "Das Amulett der Fuggerin". Umrahmt wurde die Lesung mit zeitgenössischer Musik der Gruppe "Cumulus Nimbus" sowie der Tanzgruppe "Augusta Historica" in historischen Kostümen. Alles übrigens selbst genäht und sehr prächtig. Gleichzeitig präsentierte Uta Werner-Dick das erste Mal in der Öffentlichkeit Schmuck mit den Fugger’schen Lilien. Der von uns gestaltete Abend hatte großen Zuspruch, wir haben sämtliche verfügbaren Stühle aufgestellt und trotzdem mussten noch etliche Gäste stehen. Alles in allem: gute Stimmung und ein schöner Erfolg.

5. Bereits im Januar 2009 begannen die Vorbereitungstreffen für eine große Veranstaltung: Der erste Neubürgerempfang, der je in einem Stadtteil durchgeführt wurde. Ich will Sie jetzt nicht mit Details überfluten wie z.B. Welche Vereine wollen sich denn mit welchem Beitrag darstellen, wo stellt man welchen Infotisch auf, wer braucht was wann wo etc. etc. Es war viel Arbeit. Aber am 23.10. konnten Gregor Lang, 1. Vorsitzender des Bürgertreff und ich OB Gribl, Sozialreferent Weinkamm und unsere Stadtteilpolitiker mit vielen weiteren Gästen begrüßen. Wir hätten uns bei den vielen Neubürgern, die wir eingeladen hatten, mehr Resonanz erwartet – das gebe ich gerne zu. Und auch zu den einzelnen Programmpunkten gab es berechtigte Kritik. Trotzdem war die Reaktion aller so, dass wir gesagt haben: Wir wollen das in 3 Jahren wieder machen. Da haben wir dann die Kinderkrankheiten aus dem ersten Mal ja auch schon hinter uns und es kann nur besser werden.

6. Unser Hochzoller Advent vom 04.-06.12. war nicht wie gewohnt an der Hochzoller Brücke, sondern im Fahrradhof des RDG. Wir mussten ausweichen, da wegen der Bauarbeiten an der Linie 6 unser gewohnter Platz Bauwagen- und Baumateriallager wurde. Das Adventswochenende eröffneten die Kolpingbläser, die Gruppe ShirJa stellte Lieder aus ihrer neuen CD vor und natürlich gab es für Groß und Klein wieder einen Auftritt des Nikolaus. Leider war nur mäßiges Wetter, aber auch der ungewohnte Platz und die fehlenden Spaziergänger, die wir stets an der Lechrainstraße begrüßen konnten, verursachten dann auch nur mäßige Einnahmen.

7. Es war unser Mitglied Kurt Guggemos, der im Juni des letzten Jahres einen kräftigen Anstoß gab: 2010 jährt sich zum 100sten Mal die Hochwasserkatastrophe, das dürft ihr nicht vergessen. Das Thema wurde aufgegriffen und ab Juli 2009 in einer Arbeitsgruppe aus verschiedenen Hochzoller Vereinen und Kirchengemeinden daran gearbeitet. Angefangen hat es mit 8 Personen, im November waren es dann 21 Personen und 4 Seiten möglicher Projekte und Aktionen, denn die Veränderungen, die sich nach dem 16. Juni 1910 für Hochzoll, den Lech, für Naturschutz, Hochwasserschutz, für Bevölkerung und Wirtschaft ergaben, waren so vielfältig und umfangreich, dass auch die Programmpunkte immer umfangreicher wurden. Im Dezember kam die einhellige Erleuchtung: Das funktioniert nicht. Also, abspecken und konzentrieren auf das eigentliche Thema Hochwasser. Es wurden dann zwei Eckpunkte festgelegt: Ein Gedenkgottesdienst am Tag der eigentlichen Katastrophe und ein Veranstaltungstag am Hochablass. Eingeplant war die Restaurierung der historischen Sturmglocke auf dem Glockenturm am Hochablass, die weitere historische Detailtreue mit Dauerregen und Kälte hatten wir eigentlich nicht im Programm. Ein gemütliches Beisammensein am Kuhsee – es hätte so schön sein können. Trotzdem waren nach Angaben vom Tiefbauamt und den Stadtwerken viele Besucher im alten Wasserwerk (war ja innen und warm) und auf der sonst nicht zugänglichen Wehranlage. Frau Pusch vom Tiefbauamt meinte: Wir hatten gut zu tun, und bei schönen Wetter hätten uns die Besucher wahrscheinlich überrannt.

8. Friedberger Straße und Linie 6 – ein Reizthema, ein Endlosthema wie es scheint und trotzdem ein Thema mit prognostiziertem Ende: Am 11.12. dieses Jahres wird es das Einweihungsfest geben. Davor lag in 2009 aber noch eine kurze, heftige Protestaktion, als entgegen aller Zusagen am 13.10. die Friedberger Straße zwischen Zugspitzstraße und Hochzoller Brücke doch beidseitig gesperrt wurde und das auch noch für die gesamte Vorweihnachtszeit. Das Baureferat sprach von einer Informationspanne, lenkte ein. Am 21.10. gab es ein Gespräch aller Beteiligten und OB Gribl konnte einen von beiden Seiten akzeptierten Alternativplan bekanntgeben.
Eine zielgenauere Information der Geschäftsleute zu den weiteren Bauphasen war ein Teilaspekt des erreichten Kompromisses. Es wurden dann von uns zwei weitere Informationsabende mit Baureferat und Tiefbauamt organisiert, in denen die jeweils neuen Bauabschnitte vorgestellt wurden, so dass sich die Geschäftsleute auch rechtzeitig auf die veränderte Verkehrsführung einstellen konnten.

9. Planungswerkstatt Verkehr. Im November 2008 wurde vom Baureferat diese Stadtteilaktion begonnen. Aufgerufen waren die Hochzoller Bürger, die Verkehrsprobleme innerhalb ihres Stadtteils aufzuzeigen und Lösungen zu erarbeiten. Die Aktionsgemeinschaft war mit 7 Mitgliedern vertreten und wir haben einige lange Samstage mit Diskussionen und Überlegungen zugebracht. Die Lösungen und Beschlüsse wurden dann am 24.07.2009 dem Stadtrat präsentiert. Der Stadtrat hat dieses Konzept mitgetragen und ebenfalls beschlossen; die Gelder hierfür sind im diesjährigen Haushalt eingestellt. Dass trotzdem noch keinerlei Aktivität daraus ersichtlich ist, liegt an der Tatsache: obwohl der Haushalt im März bereits verabschiedet wurde, ist er immer noch nicht von der Regierung genehmigt. Und ohne Genehmigung kein Baubeginn.

Die Planungswerkstatt Verkehr ist aber auch aus anderer Sicht immer noch im Fluss: Abgesehen einmal von der Diskussion um den Radweg an der Waxensteinstraße und dessen Neuplanung und -gestaltung, haben wir z.B. erfahren, dass entgegen der Stadtratsbeschlüsse eine zugesagte Busverbindung Linie 26 über die Zugspitzstrasse wieder gestrichen werden sollte. Das war am 31.03. dieses Jahres. Am 06.04. hatten die Stadtwerke, Baureferent und die Stadtratsfraktionen meine Stellungnahme vorliegen und am 21.04. gab es Entwarnung: Der Wirtschaftsausschuss hat für den Erhalt der Buslinie gestimmt, alles bleibt wie im letzten Jahr beschlossen.

Falls Sie sich fragen, wie lange noch? Tut mir leid, ein paar Punkte habe ich noch!

10. Im Jahr 2009 begann im Auftrag des Baureferats und im Rahmen "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" das wirtschaftsgeographische Institut Dr. Popien mit Erhebungen zur sozialen und wirtschaftlichen Analyse in Hochzoll. Die Aktionsgemeinschaft war hierbei beteiligt als Anlauf- und Informationssammelstelle. Eine umfangreiche Studie konnte mit den ersten Ergebnissen dann bei einem Informationsabend, zu dem die Aktionsgemeinschaft für den 03.02.2010 auch Wirtschaftsreferent Bubmann eingeladen hatte, vorgestellt und diskutiert werden. Ein zentraler Punkt ist, neben der fehlenden Nahversorgung in Hochzoll-Nord und anderen "Problemzonen", die Ge"schäftssituation entlang der Friedberger Straße. Matratzengeschäfte, Billigläden und vor allem Leerstände prägen das Bild einer heruntergekommenen Straße. Ebenso zentral wie dieses Problem ist deshalb auch die Forderung der Aktionsgemeinschaft nach einem qualifizierten Stadtteilmanager, der hier im Viertel mit einem Büro vertreten sein muss und der sich gezielt der Probleme, deren Lösungsmöglichkeiten und einer Imagepflege für den Stadtteil annimmt. Die Umsetzung unserer Forderung, die zwar von seiten der Stadtverwaltung unterstützt wird, scheiterte bislang aber wieder einmal an formalen Problemen: Im Rahmen der aktiven Stadtteilförderungen werden 60% der Kosten von der Regierung übernommen, eine schriftliche Zusage liegt aber noch nicht vor. Die restlichen 40% trägt die Stadt Augsburg. Diese Kosten sind, wie mir versichert wurde, zwar im Haushalt eingeplant, aber – s.o. – der Haushalt ist ja von der Regierung noch nicht genehmigt. Der ursprünglich in Aussicht gestellte Arbeitsbeginn des Stadtteilmanagers im Herbst d. J. wird deshalb eher zum Jahresende sein – und das ist positiv gedacht!

11. An der Planungswerkstatt "Soziale Infrastruktur", die am 27.02.2010 stattfand, waren von der Aktionsgemeinschaft 3 Mitglieder eingebunden in die Bereiche Lokale Wirtschaft, Kinder und Jugendliche, sowie Städtebau und Freiraum. Im Bereich Kinder/Jugendliche waren die Themen gestreut von Jugendkultur im Stadtteil über Einkaufen für Jugendliche, zentrale und dezentrale Treffpunkte, Schulwegsituationen.

Im Bereich Lokale Wirtschaft ging es um Standortmarketing, Identitätskampagnen und Anreizprogramme, um zentrale Orte im Stadtteil wie das Post-/Telekomgelände und das Gelände an der Salzmann/Friedberger Straße, insgesamt um die Schaffung eines lebendigen Zentrums an der Friedberger Straße. Bei der Umsetzung dieser Projektidee ist die Aktionsgemeinschaft gefragt.
Um die Gestaltung des Geländes Post/Telekom/Rewe ging es beim Thema Städtebau und Freiraum. Gefordert wird ein merkantiles Zentrum, ein Marktplatz soll entstehen, der auch soziale Kontakte fördert. Vom Stadtplanungsamt wurde ein Entwurf vorgestellt, der die Erweiterung des Rewe-Marktes vorsieht. Ein stark diskutiertes Thema war das Gelände an der Salzmann-/Friedberger Straße, ging es doch um den Erhalt des letzten städtebaulichen Ensembles von Alt-Hochzoll, das sich über die Grüntenstraße bis zur Karwendelstrasse erstreckt. Einhelliges Thema: Eine kulturelle Mitte für Hochzoll, Erhalt und gemeinschaftliche Nutzung der historischen Gebäude. Ich werde dazu separat noch einmal darauf zurückkommen.
Die Ergebnisse dieser Planungswerkstatt, aus der sich für die Umsetzung der einzelnen Projektideen dann ein Stadtteilgremium bilden soll, sind noch nicht öffentlich vorgestellt, erfolgt aber in Kürze – falls der Königsplatzumbau nicht wieder dazwischen funkt.

12. Im letzten Jahr begonnen haben wir mit unserem Eli-Kinderschutzprogramm. Kindern, die auf dem Schulweg in Schwierigkeiten kommen – sei es, dass sie belästigt, gemobbt oder angesprochen werden oder einfach nur Hilfe brauchen, weil sie den Hausschlüssel verloren oder sich verletzt haben – soll ein Elephant eine Anlaufstelle zeigen: Hier bekommst du Hilfe. Das Programm muss in Zusammenarbeit mit der Polizei in den Schulen vorgestellt werden und auch entsprechende Partner unter den Geschäftsleuten müssen gesucht werden. Das Programm ist jetzt nicht so vorwärts gekommen, wie wir uns das gewünscht hatten. Ich freue mich deshalb besonders, heute sagen zu können, dass sich unser Mitglied Frau Barbara Soukup dieses Themas angenommen hat und das Projekt künftig betreuen wird. Mit ihrer Hilfe, da bin ich sicher, werden wir es zum Schulbeginn 2010 vorstellen können.

Zuletzt ein kurzer Punkt: Wir haben im vergangenen Sommer und Herbst an einem neuen Flyer gearbeitet, die Homepage umgestaltet und unser Logo auf Visitenkarten und ein großes Rollbild gebracht. Schließlich wollen wir nicht nur Hochzoll stark machen, sondern auch die Aktionsgemeinschaft.

Ihre Aktionsgemeinschaft Hochzoll e.V.

Melitta Schuster
(Vorstandsvorsitzende)